CDA Bezirksverbände besuchen Fallschirmjägerbataillon 263

Offene Gesprächsatmosphäre: Truppe macht Sorgen und Nöten Luft / Kranzniederlegung / Leistungen gewürdigt

REGION/ZWEIBRÜCKEN Auch Soldaten sind Arbeitnehmer - noch dazu mit einem Beruf, der das Leben kosten kann. Die CDA, der Arbeitnehmerflügel der CDU, hat nun in der Niederauerbach-Kaserne beim Fallschirmjägerbataillon 263 in Zweibrücken gemeinsam mit Einsatzsoldaten und Vertrauensleuten nach Verbesserungen im Arbeitsalltag und bei Einsätzen gesucht. Eingeladen hatten die CDA Bezirksvorsitzenden der Verbände Koblenz-Monatbaur, Rheinhessen-Pfalz und Tier, Ekkehard Gauglitz, Adolf Kessel und Sascha Kohlmann. Begleitet wurden sie von einem Tross weiterer CDA-Mitglieder, darunter dem CDA Bundes-Referenten für Verbandsarbeit, Hajo Schneider und dem CDA Landesvorsitzenden Bardo Kraus.

Die Politiker stießen auf eine überaus offene Gesprächsatmosphäre. „Schildern Sie uns Ihre Sorgen und Nöte, alles was Sie bewegt“, ermutigte CDA Bezirksvorsitzender Adolf Kessel die Einsatzsoldaten und Vertrauensleute. Bestärkt wurde er von Hauptmann Bernd Waschke, der sich auch in seiner Funktion als Personaler ein offenes Wort der Soldaten wünschte: „Sagen Sie Ihre Meinung - das kann Verbesserungen bringen“. Oberstleutnant York Buchholtz hatte schon in seiner Begrüßung betont, wie wichtig ein solcher Austausch sei: „Es ist immer gut, wenn die Politik uns zuhört“. „Einsatzbereit, jederzeit, weltweit“ lautet der Leitsatz des Bataillons, das auch schon in Krisengebieten wie Somalia, Kosovo, Kongo und mehrmals in Afghanistan im Einsatz war. Derzeit hält sich das Bataillon unter anderem in Reserve für militärische Evakuierungsaktionen aus Krisengebieten. Die CDA-Politiker legten auch einen Kranz nieder für fünf Soldaten, die in dem Bataillon in Auslandseinsätzen gefallen sind. Nachhaken will die CDA bei der neuen Version des Einsatzversorgungsgesetzes. Soldaten klagten darüber, dass Einsätze vor 2002 nicht zusätzlich für ihre Rentenzeit anerkannt werden. „Dadurch werden Einsätze mit zweierlei Maß gemessen“, lautete die Kritik aus der Truppe. CDA Landesvorsitzender Bardo Kraus versprach: „Das müssen wir auf jeden Fall angehen“. Gebraucht würden mehr gestaffelte Stellen in der Verpflichtungszeit (etwa SaZ 12 und SaZ 15). Einsatzerfahrung lasse sich nicht einfach durch neu ausgebildete Leute ersetzen, hieß es.

Als problematisch wurde auch angesehen, dass Vorgesetzte kaum Einfluss auf zentral geregelte Beförderungen haben. Generell müsse es mehr Aufstiegschancen für gute Leute geben, was auch durch Zulagen geregelt werden könnte. Lehrgänge sollten zudem stärker schon für Mannschafter angeboten werden, statt nur für die höheren Dienstgrade. Zudem wünschte sich die Truppe mehr Munition „Schießen lernt man nur durch Schießen“. Auch die persönliche Ausrüstung der Soldaten, sowie Waffen und Fahrzeuge wurden präsentiert. Die Truppe will, dass Material flexibler je nach Auftrag abgestimmt wird. „Mängel werden von der Truppe sofort erkannt und gemeldet - aber jeder Ersatz muss lange getestet werden; bis er ankommt, ist er mitunter schon wieder überholt“, hieß es. Gleichwohl wurde betont: „Keiner von uns fühlt sich schlecht ausgerüstet, wenn er in den Einsatz geht“. Dennoch sei es weit verbreitet, dass Soldaten auch in die eigene Tasche greifen um komfortablere Kleidung anzuschaffen, soweit es erlaubt ist.

CDA-Bezirksvorsitzender Ekkehard Gauglitz sagte: „Viele in unserer Gesellschaft - auch Politiker - vergessen oftmals, dass die Soldatinnen und Soldaten auch Arbeitnehmer sind, die in besonderer Weise unserem freiheitlich demokratischen Staat und unserer Gesellschaft dienen und Opfer hierfür bringen. Hierfür haben sie von uns und der Politik Respekt und Anerkennung verdient - aber auch der Hilfe und der Fürsorge“. Er kritisierte die Einsparungs- und Personalreduzierungspläne des Verteidigungsministeriums, insbesondere bei den Spezialkräften, wie der Fallschirmjägertruppe. Wer mehr als andere Truppenteile bei Auslandseinsätzen gefordert werde, sei auch entsprechend gut personell und materiell sowie qualitativ hochwertig und bedarfsgerecht auszustatten.

Die Bundesregierung dürfe nicht zu Lasten der Soldaten sparen. Von Vertrauensleuten war zu hören, dass im Einsatz zugezogene Beschwerden nicht immer ausreichend als Wehrdienstbeschädigung anerkannt und auch seelische Leiden unterschätzt würden. Die Nachversorgung wurde als nicht immer angemessen angesehen. Als Fehlinvestition werteten viele den geschützten Klein-LKW „Mungo“, weil dieser schwer zu transportieren sei, häufig ausfalle und nicht gut geeignet sei für das Einsatzgelände. In Afghanistan, wo das Bataillon 2011 eingesetzt war, sei die Truppe überwiegend positiv aufgenommen worden von der Bevölkerung. „Mit der Waffe auf die Toilette und zur Dusche gehen, ist allerdings normal gewesen“. Man verdränge das Risiko, was alles passieren kann. Die Soldaten hatten sich zudem mehr Freiminuten für Telefon-Verbindungen nach Hause gewünscht. Oberstleutnant Buchholtz sagte, für den Soldaten gebe es im Ernstfall - anders als bei allen anderen Berufen - „keine Grenze der Zumutbarkeit“. Niemand verlange dafür Mitleid, aber es verdiene Anerkennung, Achtung und Respekt. An die Politik richtete Buchholtz den Wunsch, dass Aufträge an die Bundeswehr immer an zwei Fragen geknüpft werden: „Dient es dem nationalen Interesse? Und steht Deutschland hinterher besser da als vorher?“.


Besuch der Bundeswehr in Zweibrücken


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