Hier ist die Bundesregierung gefragt, die Lücken in diesem System zu füllen und die Kleinen vor dieser Ausbeutung zu schützen. Unternehmer bei denen das Schema zu erkennen ist, müssen bestraft werden und mit Auflagen in die Pflicht genommen werden

Seit drei Jahren suche ich einen Arbeitgeber, der mir einen Arbeitsplatz schafft, den er auch halten oder bedienen kann und der nicht die Lücken der Gesetzeslage ausnutzt oder ausnutzen muss, um sein Unternehmen führen zu können. Denn es ist eine Beleidigung an jeden Arbeitnehmer, der sich für ein Unternehmen einsetzt und dem sogar sehr loyal gegenübersteht, letztendlich ausgenutzt zu werden. In erster Linie möchte er zwar seinen Lebensstandard verbessern, tut dies aber auch mit Leidenschaft und Hingabe im Job. Durch diese Arbeitsstelle ist er in der Lage seine Familie zu ernähren und ihnen eine Zukunft zu bieten. Doch das, was ich als Vorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft derzeit erlebe, und damit verweise ich besonders auf das Gebiet der Leiharbeit, geht über meine Vorstellungskraft hinaus. Wie manche Arbeitgeber mit dem wertvollsten Gut einer Firma, seinen Mitarbeitern, umgehen! Einem Arbeitgeber muss doch bewusst sein, dass ein Arbeitnehmer die Leistung nicht so erbringt, wie es gewünscht ist, wenn dieser ihm keine Sicherheit bietet. Der Fehler liegt ganz klar auf der Hand: Es ist keine Weitsicht mehr vorhanden. Was bringt das ganze theoretische Wissen, wie man Arbeitsplätze effizient gestalten kann, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer damit keine Sicherheit bieten kann und will?

Ich stelle immer wieder fest, dass Unternehmer und deren Führungskräfte das Gesetz zur Leiharbeit ausnutzen, um jegliche Flexibilität des Unternehmens gewährleisten zu können und letztlich Kosten zu sparen. Diese Methoden gleichen moderner Sklaverei. Unternehmenspolitik wird auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen und das ist verwerflich. Hinzu kommt, dass dafür die Möglichkeiten, die das Gesetz zur Verfügung stellt, ausgenutzt werden. Der Grundgedanke der Leiharbeit war es, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, nicht zu erwartende Auftragsspitzen abzufangen, damit das Unternehmen leistungsstark bleiben und die Kunden zufriedengestellt werden können. Nach Jahren hat man dann endlich festgestellt, dass die Unternehmer diese Möglichkeit nutzten um markfähig zu bleiben, indem bewusst Kosten am Personal gespart werden.

Endlich wurde eine neue Regelung getroffen, die dem Arbeitnehmer wieder mehr Sicherheit geben soll: das Gesetz sieht jetzt vor, dass die Bezahlung mit der Zeit ein besseres Niveau erreicht und auch die Chance zur dauerhaften Übernahme besteht. Die Vorgehensweise sieht so aus, dass der Leiharbeiter bis zu 18 Monate beschäftigt werden kann. Danach muss entschieden werden, ob er dauerhaft übernommen wird. Der erste Schritt erfolgt nach neun Monaten, denn nach dieser Zeit im Betrieb wird das Gehalt eines Leiharbeiters dem des Angestellten angeglichen. Doch genau dies umgehen Firmen, indem sie den Leiharbeiter abmelden und stattdessen einen anderen anmelden, sodass ein weiteres Zeitfenster von neun Monaten geschaffen wird. Dadurch wird der Leiharbeiter zum austauschbaren Objekt. Und darüber hinaus kann er nie in die Nähe einer festen Anstellung kommen, da er die Frist von 18 Monaten nicht erreicht. Mit der Hoffnung auf eine Anstellung werden Leiharbeiter geködert, beziehungsweise wird Druck aufgebaut. Das Unternehmen spielt mit der Angst der Mitarbeiter um sie zu Mehrarbeit zu bewegen. Unabhängig davon haben sie sowieso kaum eine Chance im Unternehmen zu bleiben. Ein endloser Strom von weiterziehenden Leiharbeitern entsteht. Die negative Meinung über diese Vorgehendweise trifft aber schlussendlich nicht die Unternehmen, sondern die Leiharbeitsfirmen, die lediglich vermitteln.

Hier ist die Bundesregierung gefragt, die Lücken in diesem System zu füllen und die Kleinen vor dieser Ausbeutung zu schützen. Unternehmer bei denen das Schema zu erkennen ist, müssen bestraft werden und mit Auflagen in die Pflicht genommen werden. Sie dürften meines Erachtens keine Leiharbeiter mehr einstellen, da sie diese nur eine Zeit behalten!

Was aber ebenso wichtig ist, ist ein Umdenken bei den Führungsverantwortlichen zu bewirken. Arbeitnehmer dürfen erstens nicht mehr als Ware gesehen werden und zweitens nicht als negativen Kostenfaktor, denn schließlich steht am Ende ein Gewinn für beide Seiten!

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